Der Ein-Einhalb-Skin

Gleitschirmhersteller experimentieren weiter mit dem Single-Skin-Konzept. Apco testet erstmals eine konsequente Hybrid-Bauweise: vorne double, hinten single. 

Apcos Konzeptstudie eines Hybrid-Flügels: vorne Ober- und
Untersegel, hinten ein Single Skin. // Quelle: Apco
Seitdem Ozone vor knapp sechs Jahren den ersten "modernen" Single-Skin-Schirm XXLite vorstellte, hat sich auf diesem Feld einiges getan. Weitere Hersteller wie Niviuk (Skin), Air Design (UFO) und zuletzt Skyman (Sir Edmund) bauten Varianten des Konzeptes, wobei sie darauf setzten, die Schirme mit einzelnen, über die Spannweite verteilten Staudruckzellen etwas abzustützen. Den größten Nachteil der Single Skins, dass sie ohne eine im Inneren gefangene Luftmasse in turbulenter Luft schnell ihre Profilform und damit dramatisch an Gleitleistung einbüßen, konnte allerdings noch keiner ausgleichen.

Hier tritt nun Apco auf den Plan. Der israelische Hersteller präsentiert eine neue Variante der Single-Skin-Idee. Sie setzt darauf, das Beste aus beiden Welten zu verbinden, indem der Gleitschirm im vorderen Drittel ein klassisches Profil mit Ober- und Untersegel besitzt, während der Hinterflügel dann auf das Untersegel verzichtet. Bisher handelt es sich bei diesem Hybrid nur um eine Konzept-Studie. Doch nach ersten Flügen ist man bei Apco so angetan davon, dass in diese Richtung weiter entwickelt werden soll.


Hybridflügel: vorne dick, hinten dünn.
// Quelle: Apco
Wie ein Vogelflügel
Apco verweist darauf, dass ein solcher Schirm das Prinzip des Vogelflügels aufgreift. Auch bei Vögeln ist das Profil im Bereich der vorderen Flügelknochen dicker und zudem beidseitig mit Deckfedern "beplankt". Nach hinten hingegen strecken sich nur noch von der Oberseite her die Schwingfedern und lassen so das Profil sehr dünn auslaufen.

Laut Angaben von Apco soll der Hybrid-Flügel sicherer, einfacher zu fliegen und leistungsfähiger sein als ein klassischer Single Skin. Durch diese Bauweise könne im Vorderflügel auch mit Diagonalen gearbeitet werden, wodurch sich im Vergleich zu anderen Einsegel-Schirmen viele Leinenmeter und der damit gekoppelte Luftwiderstand einsparen ließen.

Allerdings bleibt die Frage, wie sich ein solcher Schirm sicherheitstechnisch bei Klappern verhält. Bei klassischen Doppelsegeln führt ja ein impulsives Ziehen der Bremse auch dazu, dass Luft aus den hinteren Segelbereichen nach vorne gedrückt wird und dort die Eintrittskante durch temporären Überdruck zusätzlich stützt. Diese Möglichkeit wäre beim Hybrid von Apco nicht gegeben. Wie hoch ist damit die Gefahr von stabilen Frontklappern?

Daneben bleibt auch die Frage, welche Vorteile ein solches Konzept noch gegenüber leichten Schirmen mit komplettem Doppelsegel aufweisen kann. Denn zumindest ein Teil der Gewichtseinsparung, die die Single Skins gerade für Hike & Fly so attraktiv macht, wird durch die Hybrid-Bauweise samt Diagonalen ja aufgegeben.

Es bleibt abzuwarten, welche Erfahrungen Apco mit diesem Konzept im Laufe der weiteren Entwicklung noch macht, und ob tatsächlich einmal ein solches Modell mit Zulassung auf den Markt kommt. Andere Konzeptstudien wie der Einleiner von Sol haben ja auch für Aufmerksamkeit gesorgt, sind dann aber in die Sammlung der Gleitschirmkuriositäten entschwunden.


Der V-King ist ein schon weit gediehener Prototyp eines
Single Skins von Dudek – mit Diagonalen. // Quelle: Dudek
Single Skins mit Diagonalen
Eine Idee scheint allerdings bei weiteren Single Skins der Zukunft häufiger aufzutauchen: die Diagonalen. Setzt man Diagonalen an den Leinenansatzpunkten an, muss man nicht mehr jede Profilrippe an eigenen Leinen aufhängen. Damit könnte man auf viele Leinen verzichten, was der Leistung der Single Skins zwangsläufig zugute kommen sollte.

Der polnische Hersteller Dudek beispielsweise arbeitet an einem solchen Konzept. Nachdem sich ein kleiner ferngesteuerter Motorschirm in Single-Skin-Bauweise mit Diagonalen bewährte, setzt Dudek die Bauweise mittlerweile auch schon für seinen großen, manntragenden Single-Skin namens V-King ein. Wann dieser auf den Markt kommen wird, ist noch nicht bekannt.

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3 Kommentare:

Guido Reusch hat gesagt…

naja, das ist jetzt nicht ganz neu. Bereits zu DDR-Zeiten hatte die Firma SPEKON dieses Konzept als RG-2 Fallschirm. Hat sich aber nicht durchgesetzt!
Ich habe vor zwei Jahren mit Hannes Papesh mal über das Konzept gesprochen und Ihm eines der letzten Expemplare zugeschickt. Der war wenig begeistert.
Gruß Guido

Lucian Haas hat gesagt…

Beim echten Single Skin haben auch alle erst den Kopf geschüttelt - und dann flog er doch. Vielleicht hat Apco ja eine Bauweise (u.a. inkl. Shark-Nose) gefunden, die tatsächlich überzeugen kann. Abwarten und bei Gelegenheit testfliegen, falls sich jemals die Gelegenheit ergibt...

Armin Harich hat gesagt…

Ja, haben wir auch vor 10 Jahren schon getestet und Snowkites mit vorne Double und hinten Singeskin habe es auch vor über 10 Jahren in Serie gegeben. Die Firma gibt es aber nicht mehr am Markt.
Fliegen tut aber im Prinzip alles. Zwischen Double und Singleskin gibt es 1000 Optionen.